„Danke Hoffi“

„Danke Hoffi“

„Danke Hoffi“

SHV-Handballer Martin Hoffmann beendet Karriere / Verabschiedung nach 33:22-Sieg über Spandau

Stralsund. Sonnabend, 19.40 Uhr: Das letzte Spiel der regulären Oberliga-Saison ist bereits seit einer halben Stunde vorbei, da sangen und tanzten die Fans des Stralsunder HV immer noch um „ihren“ Spieler Martin Hoffmann. „Danke Hoffi“-Sprechchöre hallten durch die Vogelsanghalle. Der Stralsunder wurde nach dem 33:22-Sieg des SHV über den VfV Spandau verabschiedet, weil er nach der Relegation die Handballschuhe an den Nagel hängt. „Ich habe versucht, den Tag so norddeutsch wie möglich, also emotionslos, zu verbringen. Das ist mir nicht gelungen“, rang der Rechtsaußen nach Worten.

Der ganze Spieltag wurde ein emotionaler Ritt für das Stralsunder Urgestein. Hoffmann ahnte, dass er gegen Spandau verabschiedet werden würde, doch was genau auf ihn zukommt, konnte er sich trotz wochenlanger Geheimniskrämerei nicht ausmalen. „Meine Frau hat von vielen ehemaligen Mitspielern Videobotschaften eingefangen“, erzählt „Hoffi“, der den Zusammenschnitt schon am Frühstückstisch zu sehen bekam. „Da hatte ich mit den Tränen zu kämpfen.“

Trainer überrascht eigenes Team

Dann startete Hoffmann mit seinem Team ins letzte reguläre Saisonspiel gegen die Berliner. Trainer Steffen Fischer übernahm die Aufgabe am Kreis, nachdem Ole Prüter und Jakub Vanek verletzungsbedingt fehlten, kurzerhand selbst. „Damit hat er auch uns überrascht“, lachte Hoffmann über den taktischen Kniff seines Trainers.

Mit seinem 13. Ballkontakt erzielte Hoffmann sein einziges Tor an diesem Tag. Er brachte damit seinen SHV mit 12:7 nach vorn. Schnelle Gegenstöße und teilweise eklatante Lücken in der Spandauer Deckung machten es den Gastgebern einfach, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen – 19:11 zur Pause.

Neun Minuten nach Wiederanpfiff war der Arbeitstag für Hoffmann beendet. Kurz darauf wurden auch Benjamin Hinz, Martin Brandt und Florian Zemlin für die anstehende Relegation gegen die HG Hamburg-Barmbek geschont. Vor allem Johannes Trupp kümmerte sich weiter ums Torewerfen (10).

Weggefährte Dau ringt um Worte

Nach Spielschluss ging die Gefühlsachterbahn für Hoffmann weiter. Das Team wurde mit Goldmedaillen und Glaspokal für den Oberliga-Sieg ausgezeichnet. Benjamin Hinz bekam die Torjäger-Trophäe für 224 Treffer überreicht. Und Hoffmann brauchte mehrere helfende Hände, um die Abschiedsgeschenke der Mannschaft und des Fanclubs entgegenzunehmen. Danach kam der 34-Jährige nicht mehr um Umarmungen, Fotos und Dankesworte herum.

Markus Dau, der Hoffman bereits seit der B-Jugend begleitet, übernahm die Abschiedsworte. Auch dem SHV-Geschäftsführer fiel der Abschied schwer. „Hoffi, du hast hier ganz, ganz Großes geleistet!“ Minutenlang applaudierten die Zuschauer für den sympathischen Handballer. Sogar einige ehemalige Weggefährten aus Eisenach und Bernburg, wo Hoffmann zwischenzeitlich gespielt hatte, waren mit Hoffmann-Fanshirts in der Halle. „Das zeigt, wie viele Freunde ich während meiner Handballzeit gefunden habe“, berichtete der Linkshänder stolz. „Ich bin dankbar, dass ich Spieler aus vielen Ländern und verschiedene Charaktere kennenlernen durfte, und froh, dass ich es nun in meiner Heimatstadt beenden durfte“, strahlte Hoffmann.

Höhepunkt: Champions-League-Sieger bezwungen

2002 machte Hoffmann sein erstes Männerspiel für den SHV – beim späteren Arbeitgeber SV Anhalt Bernburg. „Ich durfte die letzten zwei Minuten spielen und habe sogar ein Tor gemacht“, erinnerte sich der damals 18-Jährige. In jener Saison stieg er mit Stralsund in die 1. Bundesliga auf. Ein Jahr später folgte der Karriere-Höhepunkt. „Wir haben zuhause mit einem Tor gegen den SC Magdeburg gewonnen. Die waren gerade Champions-League-Sieger und wir haben noch 300 Leute zusätzlich in die Halle gequetscht. Das war krass.“

Mit 34 Jahren sei es nun an der Zeit, kürzer zu treten und sich mehr der Frau und der Tochter zu widmen. „Meine Frau musste über zehn Jahre auf viel verzichten“, meinte Hoffmann dankbar. Der „Mega-Abschluss“ seiner Karriere soll nun mit dem Aufstieg in die 3. Liga geschafft werden. Für seinen letzten Schritt feuerte Hoffmann noch einmal die Fans an: „Es ist noch nicht vorbei! Wir haben noch zwei extrem wichtige Spiele vor uns und dafür brauchen wir euch alle.“ So richtig norddeutsch kühl ist der gebürtige Stralsund wirklich nicht. SHV: Malitz, Korth – Ehlers 3, Baresel 1, Tippelt 3/2, Brandt 5, Hoffmann 1, Hinz 7/3, Obst, Zemlin, Trupp 10, Fischer 3

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung GmbH