Dem Berliner Harzverbot zum zweiten Mal getrotzt

Dem Berliner Harzverbot zum zweiten Mal getrotzt

SHV-Handballer bleiben nach dem 26:23-Sieg bei der SG OSF weiter ungeschlagen. Trupp und Hinz treffen je achtmal.

Berlin. „Wir zählen rückwärts: Nur noch vier Spiele ohne Harz“, stellte Steffen Fischer nach dem 26:23-Sieg seines Stralsunder HV bei der SG OSF Berlin erleichtert fest. Denn die Oberliga-Partie am Sonnabend, die – wie in Berlin üblich – ohne Haftmittel ausgetragen wurde, drohte den Handballern vom Sund phasenweise zu entgleiten. Eine zwischenzeitliche Sieben-Tore-Führung war Mitte des zweiten Abschnitts dahin. Zum Glück für die Gäste kippte die Partie nie völlig. So verbessert sich die Fischer-Truppe dank des Sieges auf Rang vier in der Ostsee-Spree-Oberliga. „Wir haben uns leider nicht mit Ruhm bekleckert, egal in welcher Konstellation wir auf dem Feld standen“, gestand der Trainer, der mit seinem Team weiter ungeschlagen ist.

 

Holpriger Auftakt

Die Partie begann genauso fahrig wie die unmittelbare Vorbereitung auf das Duell. Nach staureicher Anfahrt standen die Handballer bis 30 Minuten vor geplantem Anpfiff vor verschlossener Halle. Dementsprechend begann das Spiel mit halbstündiger Verspätung. Den ersten Angriff verzog SHV-Kapitän Martin Brandt deutlich; im direkten Gegenzug handelte sich OSF nach 37 Sekunden eine Zeitstrafe wegen eines Wechselfehlers ein. Beim zweiten SHV-Angriff landete ein unpräzises Anspiel von Patrick Schmidt Richtung Johannes Trupp im Tor-Aus. Es sollte nicht die letzte Ungenauigkeit bleiben. „Wir haben sehr viele technische Fehler gemacht. Das war auffällig“, bemängelte Fischer.

 

Nach diesem holprigen Auftakt brachten die Stralsunder zunächst Ordnung und Konzentration ins Spiel. Der Lohn waren komfortable Führungen (10:5/17., 15:8/27.). Allerdings war der Vorsprung zur Pause beinahe wieder aufgebraucht, weil sich der SHV drei Abspielfehler in Folge leistete, die die Berliner nutzten, um auf 12:15 zu verkürzen. „Drei Tore Vorsprung zur Halbzeit waren eigentlich zu wenig, weil wir schon auf sieben davon waren. Da hätten wir den Sack schon halb zumachen können“, sagte Fischer.

 

Energiegeladener Berliner Schlussmann

Die Schöneberger stemmten sich gegen den Favoriten und drehten direkt nach dem Seitenwechsel auf. Tizian Stark tankte sich vom linken Rückraum nach Außen durch und traf aus spitzem Winkel zum 14:15 – 100 der etwa 120 Zuschauer, die es mit dem Gastgeber hielten, jubelten frenetisch mit dem Torschützen. Auf der Platte sorgte vor allem OSF-Schlussmann Hagen Wey für Stimmung. Nachdem er einen Hieb von Kay Landwehrs aus kürzester Entfernung mit dem Gesicht abwehrte, brüllte er seine Freude bis unter die Hallendecke. Fortan war der 20-Jährige nicht mehr zu bremsen. Immer wieder beorderte er seine Vorderleute nach Angriffen wild gestikulierend in die Deckung und fauchte, wenn ein Mitspieler nicht rechtzeitig am Anwurfpunkt für einen schnellen Gegenstoß war.

 

„Natürlich ist man noch einmal heißer, wenn man gegen Stralsund spielt“, versicherte Wey, der sich selbst immer wieder durch deftige Backpfeifen und Fausthiebe auf die Brust auf Betriebstemperatur hielt. „Meine Droge ist, auf dem Feld zu stehen und mit den Fans abzugehen. Ich liebe solche engen Spiele“, sagte der Torhüter, der beim Rückspiel der vergangenen Saison (25:25) verletzungsbedingt passen musste. „Daher war ich zusätzlich motiviert.“

 

Trupp und Hinz im Gleichschritt

Das Spiel wurde immer spannender, weil die Hausherren ausglichen (18:18/39.) und dranblieb. In der Schlussphase zeichneten sich beide Teams durch hohe Fehlerquoten aus. Doch obwohl der SHV offensiv nur selten glänzte – konnte auch ein energischer Hagen Wey den Meister nicht wirklich stoppen. Der Ball lag spätestens nach zwei Minuten wieder im Berliner Tor. Die beiden Außen Johannes Trupp und Benjamin Hinz (je acht Treffer) blieben in Torlaune. Als Rechtsaußen Trupp vor Schluss zum erlösenden 26:23 traf, hallte es von den mitgereisten Stralsunder Fans: „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“.

 

Keeper Wey konnte dem Spiel trotz Enttäuschung etwas Positives abringen. „Man muss unsere Entwicklung sehen: Vor ein paar Wochen haben wir noch gegen Tegel (Drittletzter) verloren und jetzt können wir mit dem SHV mithalten. Für uns war es ein cooles Spiel!“ Und auch Steffen Fischer hatte noch ein Lob für seine Mannschaft übrig: „Solange wir konzentriert gespielt haben, sah das richtig gut aus.“

Gegen den BFC Preussen und die SG OSF Berlin hat es auch im ungeliebten Spiel ohne Harz geklappt. Bleiben für den Stralsunder HV noch vier Fahrten in die Hauptstadt. Zunächst empfängt der Meister allerdings am Sonnabend die SG Uni Greifswald/Loitz zum Derby.

Ostsee-Zeitung

Horst Schreiber

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