Stralsunder HV erkämpft Derbysieg

Stralsunder HV erkämpft Derbysieg

Handballer besiegen den HSV Insel Usedom mit 32:29 / Tobias Malitz wird zum Matchwinner

Nach 60 rasanten Handballminuten stand die ausverkaufte Vogelsanghalle in Stralsund Kopf. Mit einem starken Schlussspurt und einem plötzlich über sich hinauswachsenden Tobias Malitz im Tor, erkämpften sich die Handballer des Stralsunder HV den 32:29 Derbysieg in der Oberliga Ostsee-Spree gegen den HSV Insel Usedom. Damit hat der Vorjahresmeister jetzt zwei Punkte Vorsprung auf den zuvor punktgleichen Verfolger.
Weder glücklich, noch verdient
HSV-Trainer Nico Heidenreich wirkte nach dem Spiel noch etwas mitgenommen von der emotionsgeladenen Partie: „Verdient würde ich nicht sagen, aber glücklich war der Sieg des SHV auch nicht. Ich kann meiner Mannschaft absolut keinen Vorwurf machen – sie haben stark gespielt.“ Spielentscheidend sah er die Phase ab der 52. Minute. Beim Stand von 27:27 kam SHV-Torhüter Malitz in Fahrt und brachte seine Mannschaft mit einer ganzen Reihe von Paraden nach vorn.
Den Titel als „Derbyheld“ lehnte der 24-Jährige aber ab. „Vielleicht habe ich in der Phase einfach ein bisschen Glück gehabt“, scherzt Malitz und sagt weiter: „Eigentlich haben wir zu viele Gegentore bekommen. Ich versuche immer mein bestes zu geben und der Mannschaft zu helfen. Zum Schluss stand die Abwehr auch besser, dann sind die Bälle leichter zu halten.“
HSV macht das Spiel schnell
Dass ausgerechnet der Torhüter am Ende der entscheidende Faktor war, konnte man zuvor nicht absehen. Mit einem rasanten Tempo überrollte das Team von Heidenreich die SHV-Deckung, bevor diese überhaupt in ihre Formation kam. „Wir wollten mit unserer offensiven Abwehr Unruhe im Angriff von Usedom stiften. Die haben sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Dazu kommen wir in der ersten Halbzeit auf eine Parade von beiden Torhütern“, analysiert SHV-Trainer Steffen Fischer, der nach 20 Minuten Philipp Groth für Malitz gebracht hatte.
Kurz vor der Halbzeit führten die Gäste mit 16:13. Vor dem Seitenwechsel konnte der SHV aber noch auf 15:16 verkürzen. „In der ersten Halbzeit lassen wir in der Abwehr zu viele einfache Würfe zu. Da müssen wir eigentlich schon höher führen“, haderte Heidenreich etwas mit dem knappen Zwischenergebnis.
20 Minuten komplett auf Augenhöhe
Nach dem Seitenwechsel verlief das Spiel komplett auf Augenhöhe. Bis in die Schlussphase führte keine Mannschaft mit mehr als einem Tor, auch aus den zahlreichen Zeitstrafen konnte kein Team Kapital schlagen. Dann kamen die letzten Minuten, in denen die Hausherren noch etwas mehr nachlegen konnten. „Zum Ende fehlte die Kraft. Dann ist es logisch, dass Malitz ein, zwei mehr hält. In der zweiten Halbzeit haben wir falsche Entscheidungen getroffen und dafür wirst du hinten mit Gegentoren bestraft“, begründete HSV-Spieler Patrick Glende die Fehlwürfe in der entscheidenden Phase. Sein Trainer widerspricht, attestiert seiner Mannschaft aber die beste Saisonleistung: „Die Kraft hat gereicht und es ist ganz vieles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben.“
Mit acht Treffern war Glende der erfolgreichste Werfer beim HSV, auf SHV-Seite traf Johannes Trupp genauso oft ins Netz. Trupps Treffer zum 29:28 und 30:28 innerhalb von 30 Sekunden sorgten endgültig dafür, dass die Partie kippte.
Beide Teams richten den Blick nach vorn
Nachdem die Emotionen abgeklungen waren ging bei beiden der Blick auf die kommenden Spiele und die gesteckten Ziele. „Wir haben heute lange zurückgelegen, das ist für uns ungewohnt. Es war stark, dass wir uns da rausziehen und Moral beweisen. In der Liga ist aber noch nichts gewonnen. Wir haben schon bald ein schweres Spiel gegen Altlandsberg“, erinnert Malitz an die kommenden Aufgaben.
Auch Patrick Glende will sich nicht zu lange mit der ersten Saisonniederlage aufhalten: „Wir wollen am Ende unter die Top-5 und dafür sind wir gut dabei. Mund abputzen, Video angucken und weiter geht´s!“
Prüter zurück, Brand verletzt
Erfreulich war auf Seiten der Stralsunder auch die Rückkehr von Kreisläufer Ole Prüter. Nachdem er sich in der Vorsaison das Kreuzband gerissen hatte, stand der 24-Jährige im Derby das erste Mal wieder auf dem Feld. Mit dem Tor zum 32:29-Endstand trug er sich dabei direkt in die Torschützenliste ein.
Bei Martin Brandt ist hingegen die Verletzung am Fußgelenk aus dem Cottbus-Spiel wieder aufgebrochen. Brandt wurde gegen den HSV lange geschont, in der entscheidenden Phase warf sich der Kapitän für sein Team aber voll rein und erzielte zwei Tore.

Ostsee-Zeitung

Niklas Kunkel

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