Titelrennen in der Oberliga wieder offen

Titelrennen in der Oberliga wieder offen

Handballer vom HSV Insel Usedom erkämpfen 23:20 gegen den Stralsunder HV und ziehen in der Tabelle am Gegner vorbei.

Das Spitzenspiel in der Oberliga Ostsee-Spree bot auf und neben dem Feld alles, was sich die Beteiligten vorher erhofft hatten. Vor mehr als 1100 Zuschauern lieferten sich der HSV Insel Usedom und der Stralsunder HV einen packenden Kampf vor ohrenbetäubender Kulisse. Am Ende setzten sich die Usedomer, beflügelt vom Heimpublikum, mit 23:20 durch und stehen an der Tabellenspitze.

Fans sorgen für Gänsehaut

„Ich bin immer noch etwas geflasht“, gestand HSV-Trainer Nico Heidenreich bei der Pressekonferenz. „Einen großen Dank an die Fans, auch die aus Stralsund. Bei meiner Mannschaft hat heute jeder gekämpft. Leidenschaft und Kampf gewinnen so ein Spiel und da hatten wir heute ein paar Prozent mehr“, begründete Heidenreich den Vorteil seiner Mannschaft. SHV-Trainer Steffen Fischer schloss sich an: „Eine klasse Leistung und ein verdienter Sieg. Sie haben einen tollen Kampf geliefert und das trotz des kleinen Kaders, der auf dem Feld stand.“ Der Stralsunder war ebenfalls von der Atmosphäre beeindruckt: „Da hat man schon richtig Gänsehaut gekriegt beim Einlaufen.“

Zerfahrene Anfangsphase

Die Spieler auf dem Feld hatten zum Beginn der Partie Probleme, die eigene Nervosität abzulegen. Zwei einfache Ballverluste der Stralsunder und Kontertore von Dawid Nowomiejski sorgten für eine schnelle 2:0-Führung der Gastgeber, die sich danach aber ebenfalls einige Fehler leisteten. Die Trainer wollten eingreifen, ihre Rufe gingen zum Teil aber im Lärm der Halle unter. Hinzu kamen starke Abwehrleistungen, die es keiner Mannschaft leicht machten, zum Abschluss zu kommen. Nach 25 Minuten stand es erst 10:10, ein Siebenmeter von Patrick Glende sorgte kurze Zeit später für den 14:12-Halbzeitstand. „Der Grundstein für unseren Erfolg war die Abwehr“, analysierte Heidenreich treffend.

Fehlwürfe entscheiden das Spiel

In der zweiten Halbzeit haben wir dann nur noch acht Gegentore gekriegt und das von einer Mannschaft, die sonst die Gegner in der Liga überrennt“, freute sich Heidenreich. Großen Anteil daran hatte Lech Krynski im Tor des HSV. Der Schlussmann zog mit seiner „Wahnsinnsquote“ (Heidenreich) dem SHV-Angriff den Zahn. Steffen Fischer sah den Knackpunkt bei den Abschlüssen seiner Spieler: „Wir hatten 35 Fehlwürfe und neun technische Fehler. Damit gewinnt man auf Usedom schon mal gar nicht und auch sonst kein Auswärtsspiel in der Liga.“

Dabei fielen beim SHV neben starken Paraden die verworfenen Siebenmeter auf. Nur fünf der zehn Versuche von der Strafwurflinie landeten im Netz. Benjamin Hinz, Kay Landwehrs, Johannes Trupp und Corvin Obst versuchten es und scheiterten spätestens mit ihrem zweiten Versuch an Krynski. „Eigentlich ist es beim Siebenmeter immer schwer für den Torwart, aber wenn man zwei oder drei gehalten hat, wird es auf einmal schwer für den Werfer. Es ist einfach ein kleiner Psycho-Fight bei jedem Duell“, erklärte Matchwinner Krynski.

Das Lob für seine Paraden im Spiel gab er an seine Vorderleute weiter: „Wenn die Abwehr gut spielt, wird es für mich einfacher. Bei uns haben alle gekämpft bis zum Ende.“

Freude über Treffer in den Schlusssekunden

Durch die Paraden von Krynski und kraftvolle Angriffsaktionen seiner Mitspieler setzte sich der HSV zwischenzeitlich mit fünf Toren ab. Die 22:17-Führung (54. Minute) war der größte Abstand im Spiel. Entschieden war die Partie zu dem Zeitpunkt aber noch nicht, denn Krynskis Gegenüber Tobias Malitz drehte im SHV-Tor noch einmal auf. „Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht und hatten mit Tobi Malitz einen tollen Torwart. Wir haben vieles richtig gemacht, aber den Ball nicht ins Tor bekommen“, fasste Fischer die SHV-Leistung zusammen. Und so reichte es nicht, um sich auf Schlagdistanz heranzubringen.

Zehn Sekunden vor Schluss traf der 17-jährige Moritz Von Angern per Siebenmeter zum 23:20-Endstand. „Das war ein wichtiges Tor, weil wir jetzt im direkten Vergleich vorne sind“, stellte Heidenreich in der Pressekonferenz heraus. Damit lag er aber nicht richtig. Laut den Bestimmungen der Oberliga entscheidet nur die Tordifferenz der beiden direkten Duelle. Nach dem 32:29 für den SHV im Hinspiel liegen die Teams also mit 52:52 gleich auf. Die mehr erzielten Auswärtstore finden keine Erwähnung und so entscheidet bei Punktgleichheit am Ende das Torverhältnis der gesamten Saison. Hier liegen die Stralsunder 50 Tore vor dem HSV.

Ostsee-Zeitung

Niklas Kunkel

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